Eine Widmung

Der
Einleger Lenzl


Märchen

Die Märchen und vor allem die Sagen, die ich für Sie jeden Monat aussuche, möchte ich einer besonderen Personengruppe widmen - nämlich den Einlegern.

Die Einleger waren ausgediente Knechte und Mägde, die niemanden hatten, der sie versorgte, wenn sie zu alt waren und nicht mehr arbeiten konnten. Sie zogen von Hof zu Hof, wurden dort zwei, drei Tage lang versorgt und zogen dann wieder weiter. Die Unterkunft war spärlich, oft schliefen sie im Stall.

Ein Einleger, von dem die Sage berichtet, war der Lenzl. Der Lenzl ging nicht wie die anderen Einleger zum Bettlerfenster und sagte: "Bitt' gar schön für mich Armen, die Reichen sind eh net zum Erbarmen.", sondern der Lenzl gugatzte, das heißt er rief: "Kuckuck, Kuckuck!"

Wenn der Lenzl gugatzte, kamen die Kinder in Scharen herbei, denn was der Lenzl konnte, das war das Erzählen!

Wenn er am Abend seine Rahmsuppe mit Kartoffeln gegessen hatte, vor ihm ein Krug Most oder manchmal sogar mit Wein stand, dann stopfte er sich die Pfeife mit Bauerntabak oder Huflattich und zündete sie an.
Die Kinder und die Erwachsenen beobachteten ihn dabei mit großen Augen und fragten schließlich:
"Sag' Lenzl, weißt du nicht was Neues für uns?"
Genussvoll zog der Lenzl ein paar Mal an seiner Pfeife und blickte in die erwartungsvollen Gesichter.
"Nein, was Neues hab' ich nicht für euch, aber was Altes, was fast Vergessenes, das hab' ich euch mitgebracht."
Und dann, dann begann der Lenzl zu erzählen...

Märchen des Monats März und Mai
Märchen des Monats Juni 2008
Märchen des Monats Juli 2008

Archiv der Monatsmärchen

"Man wird wieder aus Himmel und Sternen
Bilder machen und die Spinnweben alter Märchen
auf offene Wunden legen."

Christian Morgenstern
 

Inhaltsverzeichnis

Hörprobe