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Der Zauberwald
König Laurin und die verlorenen Geschichten
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Vor langer, langer Zeit, als die Erde noch jung war und
die Märchen wahr waren, lebte König Laurin in
den Tiroler Bergen. Er liebte alle Lebewesen und vor allem
liebte er Geschichten. Wann immer ihn jemand besuchte, musste
er ihm seine Geschichte erzählen. Der weise König
lauschte aufmerksam und behielt die Erzählungen tief
in seinem Herzen. So erfuhr er von der Entstehung der Welt,
von ihrer Schönheit und auch ihrer Grausamkeit. Im
Laufe der Zeit wurde Laurin zum Hüter der Geschichten.
All dies beobachtete die Schneekönigin. Sie wohnte
hoch oben in den Bergen. Ihr Reich aus Eis und Schnee war
farblos und kalt. Sie hasste die bunten Blumenwiesen, hasste
das fröhliche Lachen der Kinder und sie hasste die
Geschichten, die den Menschen Hoffnung gaben.
Deshalb beschloss sie ihren alten Feind für immer zu
vernichten. Eines Tages schickte sie ihren Diener mit Eiswürfeln
zu Laurin. Dankbar nahm der König das Geschenk an,
denn er liebte die knisternden Würfel in seinen Getränken.
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An diesem Abend saß König Laurin auf seinem
Lieblingsplatz im Rosengarten, beobachtete die untergehende
Sonne und genoss das kühle Getränk.
Mit einem Mal wurde ihm sehr seltsam zumute. Verzweifelt
versuchte er die Gedanken festzuhalten, doch sie schwanden
dahin, denn die Eiswürfel stammten aus der Quelle des
Vergessens.
Alle Geschichten, die er jemals gehört hatte, waren
fort. Am nächsten Morgen stand er vor dem Spiegel,
blickte hinein und sah ein Gesicht, an das er sich nicht
erinnern konnte. Denn wer die Geschichten vergisst, der
vergisst auch sich selbst.
Und mit König Laurin vergaß das Land, vergaßen
die Saligen Fräulein, die Wichte und die Kasermandln
auf der Alm. Alles verblasste, das fröhliche Lachen
verstummte.
Verzweifelt schrieben die Bewohner der Berge, der Almen,
der Flüsse und der Wälder ihre letzten Erinnerungen
nieder und schickten einen Raben mit einem Hilferuf in die
Welt. Dann brachten sie den schlafenden König Laurin
in ein sicheres Versteck, um ihn vor der Schneekönigin
zu beschützen.
weiter
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