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Bergpanorama; Spruch: Der Lenzl rief: Kuckuck, Kuckuck! Und wenn der Lenzl gugazte, kamen die Kinder und Erwachsenen in
			Scharen herbei. Denn was der Lenzl konnte, das war das Erzählen ***Aus: Der Einleger Lenzl, OÖ***

Eine Widmung für den Einleger Lenzl

Seit mehr als einem Jahrzehnt widme ich die Geschichten den Einlegern (auch Einlieger genannt). Die Einleger waren früher die alten, ausgedienten Knechte und Mägde, die keinen festen Wohnsitz hatten. Da es weder Altersheime noch eine staatliche Pensionsvorsorge gab, zogen sie als Obdachlose von Bauernhof zu Bauernhof. Die Bauern waren von der Gemeinde aus verpflichtet, sie zu versorgen. Je nach Größe des Hofes blieben sie dort einige Tage bis vier Wochen lang und wurden dann wieder weitergeschickt. Die Unterbringung war kärglich. Sie schliefen meist auf dem Boden, im Stroh oder manchmal auch nur im Stall.

Eine oberösterreichische Sage berichtet von einem ganz besonderen Einleger, nämlich dem Lenzl. Der Lenzl ging nicht wie die anderen zum Bettelfenster, klopfte an und sagte:
„Bitt' gar schön für mich Armen, die Reichen sand eh net zum d'erbarmen.“
Nein, der Lenzl gugatzte, das heißt er rief: „Kuckuck, Kuckuck!“
Wenn der Lenzl gugatzte, kamen die Kinder und die Erwachsenen
in Scharen herbei. Denn was der Lenzl konnte, das war das Erzählen!
Wenn er am Abend seine Rahmsuppe mit Erdäpfeln gegessen hatte, vor ihm ein Glas mit Wasser, manchmal sogar mit Most stand, dann fragten ihn seine Zuhörer mit großen Augen:
„Sag' einmal Lenzl, hast du was Neues für uns?“
Der Lenzl wiegte den Kopf, zupfte nachdenklich an seinem Bart und sagte dann: “Nein, was Neues hab' ich net für euch, aber was Altes, was fast Vergessenes, des hab' ich euch heut mitgebracht.“
Und dann, dann begann der Lenzl zu erzählen ...

Der Lenzl wird in dem Band „Oberösterreichisches Sagenbuch“ von Adalbert Depiny (1932) und in der „Sagenreise durch Oberösterreich“ von Franz Braumann (1975) erwähnt. Ich habe die Geschichte bearbeitet und nach St. Georgen/Gusen anstatt nach Staudach bei Alkoven versetzt. Der Grund dafür ist, dass ich bei einem Auftritt im Seniorenheim St. Georgen das erste Mal von den Einlegern und ihrem harten Leben hörte. Die Erzählungen berührten mich so sehr, dass ich beschloss, meine Märchenprogramme von nun an den Einlegern in St. Georgen und dem Lenzl im Speziellen zu widmen.

Interessante Literatur zum Thema „Damit es nicht verlorengeht ...“
bietet der Böhlau Verlag; z. B. „Knechte“ von Norbert Ortmayr.